07.12.2007

Ausschreibung des ostdeutschen Lokalfernsehens

Die Landesmedienanstalten von Berlin/Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern schreiben gemeinsam folgendes beteiligungsoffene Forschungsprojekt aus:

Thema:
"Gegenwart und Zukunft des lokalen und regionalen Fernsehens in Ostdeutschland"


Ziel:
 
Die Landesmedienanstalten in Berlin/Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern möchten erstmals gemeinsam die Entwicklung des lokalen/regionalen bzw. ortsnahen Fernsehens in Ostdeutschland untersuchen lassen. Das Ziel einer solchen Studie soll eine programmliche und wirtschaftliche Gesamtdarstellung des lokalen Fernsehens in den „neuen“ Bundesländern, dessen Einordnung in den bundesweiten Kontext des lokalen und regionalen Fernsehens und eine Untersuchung der Möglichkeiten, lokale und regionale Vielfalt privater Veranstalter noch mehr als bisher zu fördern, sein. Eine solche Studie soll weder eine „reine“ Programm- und/oder Inhaltsanalyse noch eine „reine“ Reichweitenstudie sein, jedoch durchaus Elemente davon beinhalten.

Hintergrund:

Das Projekt wird von den beteiligten Landesmedienanstalten gemeinsam finanziert und soll neben der Gesamtdarstellung aller Sender etwa 20 bis 25 Sender (ca. vier bis sechs größere und kleinere Veranstalter pro Bundesland) näher betrachten. Deutlich werden sollte bei der Gesamtschau des lokalen/regionalen Fernsehens in Ostdeutschland u.a., wie groß die „Branche“ ist und welche Bedeutung sie für die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Politik hat und haben könnte.

Gegenwärtig gibt es rund 150 von der mabb, der MSA, der SLM, der TLM und der LRZ lizenzierte lokale und regionale bzw. ortsnahe Veranstalter von Fernsehprogrammen vorrangig in Kabelnetzen. Der zeitliche Umfang dieser Programme und deren inhaltliche und technische Qualität sind sehr unterschiedlich. Aus dieser großen quantitativen und qualitativen Vielfalt lässt sich auf entsprechende Unterschiede in den studiotechnischen, personellen und wirtschaftlichen Voraussetzungen schließen. Um diese Unterschiede zu überbrücken und um die Vielfalt in den Programmen zu erhöhen, entstanden in den vergangenen Jahren u.a. verschiedene Formen von Vernetzungen und Kooperationen - so beim Programmaustausch und/oder bei der gemeinsamen Werbevermarktung, aus denen sich möglicherweise künftige Entwicklungstendenzen ableiten lassen. Ein Überblick über die bisher entstandenen Vernetzungen wäre für die Gesamtschau der lokalen/regionalen Fernsehlandschaft in Ostdeutschland von daher notwendig, ebenso die Beantwortung der Frage, ob es schon „best practice“-Beispiele oder Empfehlungen bzw. Entwicklungsprognosen gibt.

Betrachtet werden soll auch die derzeitige gesamtdeutsche Situation des regionalen Fernsehens, die sich mit regionalen Fenstern in bundesweiten Programmen, wie sie ausschließlich in Westdeutschland vorkommen, in Ostdeutschland mit einer relativ großen Vielzahl von lokalen und regionalen TV-Programmen anders entwickelt hat.

Bei dieser Betrachtung liegt die Frage nahe, wer mehr lokale Informationen in seinen Programmen bietet und einen größeren Beitrag zur Vielfalt leistet – die regionalen Fensterprogramme oder die lokalen und regionalen Fernsehprogramme? Wie sehen die unterschiedlichen materiellen Gegebenheiten in den ostdeutschen Bundesländern aus und wie beeinflussen zum Beispiel staatsvertragliche Regelungen oder spezifische Förderpolitiken die Entwicklungschancen von lokalen und regionalen bzw. ortsnahen Fernsehprogrammen? Welche wesentlichen Förderpraktiken existieren derzeit in Deutschland und Europa? Gibt es „best practice“-Beispiele?

Wichtig für die Entwicklung der lokalen und regionalen Fernsehlandschaft in Ostdeutschland ist ebenfalls eine grundlegende Beschreibung der technischen Ausstattungen der Sender und ob und wie sie auf die Anforderungen der Digitalisierung vorbereitet sind. Sind die auf diese Strukturen aufbauenden Maßnahmen der Sender, wie die Vernetzung von Programmen (Programmaustausch), gemeinsame Programmformate und Vermarktungsstrategien, zentrale Server in den einzelnen Ländern und/oder auch andere geeignete (technische Förder-) Maßnahmen von Medienanstalten oder Landesstellen wirklich geeignet, einen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilität und Entwicklung dieser Sender und der ostdeutschen Lokalfernsehlandschaft zu leisten? Wo liegt die Grenze der Ausstattung bei den Veranstaltern? Wäre die Sendekostenübernahme - wie in Bayern praktiziert - der richtige Weg? Welche konkreten Forderungen ergeben sich daraus gegenüber den einzelnen Akteuren der Medienpolitik? Wie könnte der „kleine Markt“ neben dem „großen Markt“ - auch in technischer Hinsicht - bestehen? Wird Lokal-TV möglicherweise gänzlich im Regionalfernsehen der nationalen Veranstalter aufgehen?
Für diese Gesamtdarstellung kann im Wesentlichen auf erhobene Daten der genannten Medienanstalten zurückgegriffen werden. Diese Datenlagen sind auszuwerten und gegebenenfalls zu ergänzen. Eine Literaturübersicht soll erstellt werden.

Zeitraum:

Diese erste Gesamtdarstellung der ostdeutschen Landesmedienanstalten soll baldmöglichst beginnen und voraussichtlich im Mai 2008 der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Kostenrahmen:

Die beteiligten Medienanstalten haben sich einen angemessenen Kostenrahmen gesetzt und erwarten eine nachvollziehbare Preis/Leistungsbeschreibung.
Veröffentlichung:

Der Bericht soll den beteiligten Landesmedienanstalten bis zum 30. April 2008 übergeben und im Mai 2008 möglichst im Rahmen einer größeren Veranstaltung präsentiert werden.
Bewerbungen:

Die Untersuchung wird als gleich lautender Text auf den Internetseiten der fünf ostdeutschen Landesmedienanstalten ausgeschrieben. Die Angebote sollen in fünffacher Ausfertigung und in verschlossenem Umschlag (sowie zusätzlich per Email), versehen mit dem Vermerk „Gegenwart und Zukunft des lokalen und regionalen Fernsehens in Ostdeutschland“ bei der LRZ als federführender Landesmedienanstalt abgegeben werden.

Die Angebote sollen adressiert sein an:

                        Landesrundfunkzentrale Mecklenburg-Vorpommern (LRZ)
                        Der Direktor
                        Bleicherufer 1
                        19053 Schwerin.

Die Bewerbung besteht aus der ausführlichen Konzeption zur Realisierung des Projektes einschließlich eines detaillierten Finanzierungs- und Zeitplanes.

Abgabeschluss ist der 7. Dezember 2007, 16:00 Uhr.

Die LRZ behält sich das Recht vor, nach diesem Zeitpunkt eingegangene Angebote zurückzuweisen. Die LRZ behält sich ferner das Recht vor, einen Auftrag, mehrere Aufträge oder auch keinen Auftrag zu erteilen. Die Kosten für die Angebotserstellung trägt in jedem Fall der Anbieter. Die Bindefrist für das Angebot besteht bis zum 31. Dezember 2007

Ansprechpartnerin:
Susanne Rieger
Programmreferentin
Landesrundfunkzentrale M-V
Telefon: 0385 - 55 88 117
Fax: 0385 - 55 88 130
Email: s.rieger@lrz-mv.de