15.09.2008

Ausschreibung

Ausschreibung

Die Landesrundfunkzentrale Mecklenburg-Vorpommern schreibt folgendes Forschungsprojekt aus:

"15 Jahre privater Rundfunk in Mecklenburg-Vorpommern"


1. Ziele:

Die Landesmedienanstalt für Mecklenburg-Vorpommern (LRZ) möchte erstmals nach 15 Jahren Erfahrungen mit privatem Rundfunk einen Statusbericht vorlegen, der sowohl die Reichweiten, wie auch die Programme und ihre Qualitäten aller in Mecklenburg-Vorpommern zugelassenen privaten Rundfunkveranstalter extern analysieren lassen.

Für die privaten lokalen Fernsehveranstalter in Mecklenburg-Vorpommern soll die Analyse neben programmrelevanten Daten also auch marktrelevante Daten über deren Programme, Programmanteile, technische Reichweiten, Zuschauerreichweiten und Zuschauerstruktur – auch zu deren unternehmerischen Verwendung liefern.

Für den landesweiten Hörfunk liegen durch die jährliche Medienanalyse entsprechende Daten vor. Hier könnten in der Gesamtschau gegebenenfalls vergleichende Betrachtungen vorgenommen werden. Es sollen für die lokalen Fernsehveranstalter jedoch vereinfachte Reichweitenanalysen angewendet werden.

In beiden Fällen sollen indes die Entwicklungen der Programmqualitäten im Zusammenhang mit den rundfunkrechtlichen Vorgaben überprüft werden. Damit soll die Analyse u.a. bei zukünftigen Entscheidungen wie z.B. ihre Lizenzverlängerungen steuern helfen. Dabei wäre auch die Frage mit zu bedenken, welche komplementären Beiträge die privaten Hörfunk- und Fernsehprogramme zu den öffentlich-rechtlichen Veranstaltern leisten. Dazu sollte auch eine Entwicklungsgeschichte unter Hinzuziehung früherer Erkenntnisse zur Programmentwicklung nachgezeichnet werden, um eventuelle Tendenzen herauszuarbeiten oder Perspektiven zu entwickeln.


2. Hintergrund:

Gegenwärtig gibt es in Mecklenburg-Vorpommern 19 von der Landesrundfunkzentrale lizenzierte lokale Veranstalter von Fernsehprogrammen in 54 Kabelnetzen. Der zeitliche Umfang dieser Programme und deren inhaltliche und technische Qualitäten sind sehr unterschiedlich. Daraus lässt sich auch auf entsprechende Unterschiede in der studiotechnischen und personellen Ausstattung ebenso wie bei den wirtschaftlichen Voraussetzungen schließen. Für die Vermarktung des lokalen Fernsehens sind eine Programmreichweiten- und eine Zuschaueranalyse wichtig. Sie soll im Vergleich zu den Mediadatenanalysen der Hörfunkanbieter in modifizierter Weise mit der Ausschreibung dieser Studie erreicht werden.

Neben den beiden landesweiten Hörfunkanbietern gibt es derzeit zwei private lokale Hörfunkangebote. Zum Einen auf der Halbinsel Fischland/Darß/Zingst, zum Anderen in der Hansestadt Rostock. Die bereits an den lokalen Standorten in Wismar, Stralsund und Schwerin lizenzierten privaten Radioprogramme sollen in den kommenden Monaten dazu geschaltet werden. In diesem Zusammenhang wäre die Ergänzungsfunktion lokaler Angebote im Hörfunk tiefergehend zu analysieren, etwa unter publizistischen Vielfaltsgesichtspunkten oder unter der Fragestellung, ob diese Entwicklung weiter verfolgt werden soll, beziehungsweise ob sich gegebenenfalls Synergie- oder Ergänzungseffekte zwischen privaten Hörfunk- und privaten Fernsehangeboten auf lokaler Ebene ergeben haben oder ergeben könnten.

Die Studie erfordert unterschiedliche Forschungsaspekte und methodische Darstellungen und Analysen. Zudem soll neben der Gesamtentwicklung der privaten Rundfunklandschaft in Meck-lenburg-Vorpommern, der inhaltlichen Programmanalyse und der Reichweitenermittlung auch eine Dokumentation zu allen Sendern vorgenommen werden. Deshalb könnte die Erstellung der Gesamtbroschüre auch in Kooperation mit einem oder mehreren anderen Kooperationspartnern erfolgen.


3. Gemeinsame und unterschiedliche Untersuchungsziele zum Bereich

    Hörfunk und Fernsehen


3.1 Hörfunk:

  • Fortschreibung der bisherigen Untersuchungen (auch im methodischen Vorgehen, z.B.  "Künstliche Woche")

   - Entwicklung der Inhalte, Strukturen, Formen der privaten Hörfunkprogramme in Quantität und Qualität,
   - Untersuchung der Programmbestandteile Wort, Musik, Werbung und Eigenpromotion.

  • Vertiefende Analyse speziell des qualifizierten Wortes (unterhaltendes und informierendes Wort)

    - Publizistischer Vielfaltsbeitrag der einzelnen Sender
      (u.a. Sicherung der Meinungsvielfalt gemäß § 22 RundfG M-V),
    - Inhalte von Servicesendungen im Programm (Servicepublizistik),
    - Inhalte der Moderationen (herkömmliche Unterhaltungspublizistik),
    - Inhalte der Nachrichtensendungen,
    - Werbeinhalte in der Moderation allgemein,
    - Wortanteil in der Primetime im Vergleich u.a.


3.2 Lokales Fernsehen:

Grundsätzlich soll die Analyse dieses Mal alle lokalen Fernsehveranstalter in Mecklenburg-Vorpommern einbinden. Schwerpunkt der Untersuchung soll eine Reichweiten- und Akzeptanzanalyse bezüglich der lokalen Fernsehprogramme sein, die zum Einen Aufschluss über die Bekanntheit, den Weitesten Seherkreis (WSK), die Nutzungsfrequenz und die Wochenreichweite gibt und zum Anderen die Akzeptanz und Bewertung der jeweiligen Programme und seiner Einzelelemente widerspiegelt. Alternativ wäre auch denkbar, dass eine Abfrage der Tagesreichweite (Seher gestern) erfolgt, sofern es innerhalb des Gesamtbudgets darstellbar ist. Bei Veranstaltern mit einer besonders geringen technischen Reichweite (< 10.000 WE) könnte eine vereinfachte Analyse und Darstellung in Betracht gezogen werden.

Verfahrenseckpunkte:

  • Die Datenerhebung sollte in einem Zeitraum von 3 Monaten (möglichst 4. Quartal 2008) erfolgen.
  • Die Erhebung soll in Anlehnung an die Rahmenbedingungen des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft e.V. (ZAW) erfolgen. Diese Bedingungen sehen vor, dass in jedem Verbreitungsgebiet eines Veranstalters mindestens 500 Befragungen (soweit erforderlich) durchzuführen sind. Zur Datenerfassung wird eine telefonische Repräsentativbefragung mit eigener Stichprobenziehung bevorzugt (angelehnt an CATI).
  •  Die Daten sollen u.a. für folgende Aussagen erhoben werden:

     - technische Reichweite des Programms,
     - Zuschauerreichweite des Programms,
     - Programmstrukturanalyse,
     - Nutzungsstruktur des Zuschauerverhaltens,
     - Analyse der Zuschauerstruktur,
     - Analyse des Werbeumfangs des Veranstalters,
     - Werbekontakte im Verbreitungsgebiet,
     - Analyse der werbetreibenden Wirtschaft.

  •  Analyse von Kooperationen lokaler Veranstalter, Aussagen zum Verhältnis von Reichweiten und wirtschaftlichem Erfolg,
  •  Erfasst und beschrieben werden sollen auch die von den Veranstaltern genutzten und zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten.


4. Inhaltliche Ausgestaltung der Dokumentation der Veranstalter (Broschüre)

a: Vorwort Direktor

- Darlegung der Gründe für die Erstellung der Broschüre,
- 15 Jahre privater Rundfunk in Mecklenburg-Vorpommern,
- Verweis auf neue technische und inhaltliche Herausforderungen für die Rundfunkveranstalter    in Mecklenburg-Vorpommern in den nächsten Jahren (Digitalisierungsherausforderungen).


b: Die gesetzlichen Rahmenbedingungen

- Aufzeigen der aktuellen gesetzlichen Grundlagen, die sich durch die aktuelle Novellierung des   RundfG M-V erheblich wandeln,
- Statements (z.B. vom Chef der Staatskanzlei und/oder von anderen Entscheidungsträgern).

 

c: Privater Hörfunk in Mecklenburg-Vorpommern

- Übersicht „terrestrische Frequenzen in Mecklenburg-Vorpommern“
  (Darstellung der UKW-Frequenzen nach alphabetischer Reihenfolge der Standorte),
- allgemeine Beschreibung (Programme) der landesweiten privaten Hörfunksender sowie             Faktenübersicht zu Reichweite (ma), Musikformat, Anschrift, Erreichbarkeiten,                                  Programmverantwortlichen,
- Erstellung von Frequenzkarten mit grafischer Darstellung der Verbreitung,
- Vorstellung der lokalen privaten Sender nach gleichem Muster,
- Vorstellung der nichtkommerziellen Anbieter,
- Berücksichtigung der aktuellen Entwicklung beim digitalen Radio  
(Weiterentwicklung DAB zu DMB, Möglichkeit von Radio über DVB-T oder
DVB-H, Mediendienste, Mobile Broadcasting),
- ggf. Vorstellung der privaten Programme, die über DAB verbreitet werden.


d: Privates Fernsehen in Mecklenburg-Vorpommern

- Übersichtskarte aller privaten Lokalfernsehanbieter in M-V,
- Vorstellung aller Lokalfernsehanbieter, nach dem Muster der privaten
  Hörfunkveranstalter,
- Auflistung der Lokalfernsehanbieter mit weniger als 10.000 Wohneinheiten
  (Adressen und Ansprechpartner).


e: Glossar / Abkürzungsverzeichnis

- Erläuterung und verständliche Beschreibung aller wichtigen technischen Fachbegriffe (von DMB bis UMTS, von DVB-T bis DRM), die im Buch vorkommen oder von Bedeutung für den Rundfunk und seine künftige Entwicklung sind.


f: Chronik der Lizenzierungen

- Auflistung aller durch die LRZ erfolgten Lizenzierungen bestehender Programmveranstalter in Hörfunk und Fernsehen.


6. Regularien

Die Untersuchung wird „offen“ auf der Internetseite der LRZ ausgeschrieben. Bereits bekannte bzw. früher beauftragte Institute werden zusätzlich direkt angeschrieben, sich zu bewerben.

Angebote sollen in einfacher Ausfertigung und in verschlossenem Umschlag (sowie zusätzlich per Email), versehen mit dem Vermerk „15 Jahre privater Rundfunk in Mecklenburg-Vorpommern“ abgegeben werden.

Die Angebote sollen adressiert sein an:
 

Landesrundfunkzentrale Mecklenburg-Vorpommern (LRZ)
Der Direktor
Bleicherufer 1
19053 Schwerin

Ansprechpartnerin:
Susanne Rieger
Programmreferentin

Tel. 0385 - 55 88 1-17
Fax. 0385 - 55 88 1-30
Email: s.rieger@lrz-mv.de


Die Bewerbung besteht aus der ausführlichen Konzeption zur Realisierung des Projektes einschließlich eines detaillierten Finanzierungs- und Zeitplanes.

Abgabeschluss ist der 15. September 2008, 12:00 Uhr. Die LRZ behält sich das Recht vor, nach diesem Zeitpunkt eingegangene Angebote zurückzuweisen. Die LRZ behält sich ferner das Recht vor, einen Auftrag, mehrere Aufträge oder auch keinen Auftrag zu erteilen. Die Kosten für die Angebotserstellung trägt in jedem Fall der Anbieter.

Die Bindefrist für das Angebot besteht bis zum 17. Oktober 2008.

Die Arbeiten am Projekt sollen gekoppelt an die Erhebungen der Media-Analyse (ma) Befragungswelle 1/2009 (07.09.2008 bis 21.12.2008) durchgeführt werden. Hierzu stellt die LRZ das Untersuchungsmaterial in Form von Sendemitschnitten dem Auftragnehmer zur Verfügung. Die Sendemitschnitte für die Hörfunkauswertung werden in der LRZ mit Hilfe einer digitalen Dokumentationsanlage erstellt. Die Sendemitschnitte für die Fernsehauswertung werden direkt von den Programmveranstaltern angefordert.

Die LRZ behält sich vor, die inhaltlichen und methodischen Untersuchungsaufgaben sowie Abschnitte des Vertragsentwurfes gemeinsam mit dem ausgewählten Auftragnehmer noch genauer zu spezifizieren. Diesbezügliche Kommentare und Vorschläge der Anbieter sind in den Angeboten erwünscht, auch direkte oder allgemeine Hinweise auf mögliche Kooperationspartner (siehe Punkt 2).

Die Landesrundfunkzentrale hat sich einen angemessenen Kostenrahmen gesetzt und erwartet eine nachvollziehbare Preis/Leistungsbeschreibung.

8. Veröffentlichung:

Die erhobenen Daten sind zu analysieren, auszuwerten und in einem Bericht zu veröffentlichen. Der Bericht sollte möglichst Ende März 2009 der LRZ übergeben und voraussichtlich im Mai 2009 vor dem Landesrundfunkausschuss (LRA) präsentiert werden.

 

Ausschreibung_Forschungsprojekt_TV (145 KB)