7/2008 vom 05.09.2008

Erste gemeinsame Studie der ostdeutschen Landesmedienanstalten erschienen

"Gegenwart und Zukunft des lokalen und regionalen Fernsehens in Ostdeutschland"

Obwohl die ostdeutschen Bundesländer kleiner und deutlich dünner besiedelt sind als die westdeutschen, liegt mit rund 80 % das Gros aller deutschen Lokal-TV-Veranstalter im Osten der Republik. Lokales Fernsehen ist also eher ostdeutsch - aber es ist leider auch deutlich unterfinanziert. Diese Überlegungen gaben den Anstoß dafür, dass die fünf ostdeutschen Medienanstalten zum ersten Mal eine gemeinsame Studie in Auftrag gegeben haben, die sich mit einer spezifischen Frage zum Rundfunk ausschließlich auf dem Territorium der so genannten neuen Bundesländer beschäftigt und die gravierende Unterschiede zur Situation von regionalem und lokalem Fernsehen zu den westlichen Bundesländern aufzeigt.

Trotz begrenzter Reichweiten und meist schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen tragen die rund 150 lokalen und regionalen Fernsehsender in Ostdeutschland erheblich zur publizistischen Vielfalt bei und sind heute, aber auch in einer künftigen digitalen Medienlandschaft, ein wichtiger Beitrag zur Medienvielfalt, so ein erstes wichtiges Ergebnis dieser Studie. Insbesondere wegen seines hohen Anteils an aktueller regionaler Berichterstattung, wegen seines Beitrags zur publizistischen Vielfalt und wegen seiner Informationen aus dem direkten Umfeld der Nutzer wird lokales Fernsehen von den Zuschauern so geschätzt.

Die Studie von Prof. Wolfgang Seufert von der Friedrich-Schiller-Universität Jena entstand in Kooperation mit Dr. Wolfgang Schulz sowie Inka Brunn vom Hans-Bredow-Institut in Hamburg. Sie belegt, dass die wirtschaftliche Lage sowie die Rahmenbedingungen der ostdeutschen Lokal-TV-Anbieter im Vergleich mit Veranstaltern in Westdeutschland (zumeist  regionale "Fensterprogramme" im Angebot von RTL oder Sat 1) weitaus schwieriger sind, da diese nicht oder nur marginal von Fördermaßnahmen profitieren können. Gänzlich anders zudem als im Freistaat Bayern, wo diese Sender derzeit aus dem Landeshaushalt mitfinanziert werden. Noch ist offen, wie sich die technische Verbreitung und die finanzielle Situation der Lokalfernsehsender in Ostdeutschland konkret verbessern lassen und wie die Rahmenbedingungen, die die Veranstalter oft nicht selbst beeinflussen können, durch die Politik verändert werden können, damit der publizistische Vielfaltsbeitrag ,Lokalfernsehen' zukünftig gesichert und gestärkt werden kann.

Die Vorschläge in der Studie reichen von vorsichtigen Reichweitenverbesserungen durch Gebietserweiterungen, über Programmaustausch und Förderung der technischen Infrastruktur bis hin zu einem Verweis auf Erfahrungen aus der Schweiz: Dort können durch eine Beauftragung für "Public Services" auch lokale private Veranstalter mit Rundfunkgebühren gefördert werden - eine Sichtweise, der sich das Landesparlament des Freistaates Bayern kürzlich im Grundsatz angeschlossen hat.