Medieninformation • 29/2026 vom 06.10.2026

Lokaljournalismus zukunftsfähig machen:

Kongress zeigt innovative Wege und politische Handlungsoptionen

Was braucht lokaler Journalismus, um auch morgen noch seine demokratische Funktion erfüllen zu können? Darüber diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Medienpraxis, Wissenschaft und Medienaufsicht auf Einladung von sechs Landesmedienanstalten beim diesjährigen Lokaljournalismus-Kongress am 29.09.2026 in der Landesvertretung Schleswig-Holstein in Berlin. 

Sinkende Reichweiten, wegbrechende Werbeerlöse und die Konkurrenz globaler Plattformen setzen lokale und regionale Medien zunehmend unter Druck. Umso mehr stellt sich die Frage, welche Ideen, Innovationen und Rahmenbedingungen den Lokaljournalismus zukunftsfähig machen können. In ihrer Eröffnungsrede betonte Eva-Maria Sommer, Direktorin der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH), seine besonderen Stärken: „Oft sprechen wir über die Probleme des Lokaljournalismus. Aber er verfügt auch über regelrechte Superkräfte, die keine Plattform und keine KI ersetzen kann: Nähe zu den Menschen, Vertrauen, lokale Verwurzelung und die Fähigkeit, Orientierung zu geben und Gemeinschaft zu stiften. Unser Kongress will sichtbar machen, mit wie viel Kreativität und Innovationskraft Redaktionen diese Stärken weiterentwickeln und neue Wege gehen.“ 

Entsprechend vielfältig waren die vorgestellten Praxisbeispiele. Vom „kulturkanal.sh“, einem bundesweit einzigartigen Portal für lokalen Kulturjournalismus, bis hin zu interaktiven Games und communitybasierten Newslettern. Aus Mecklenburg-Vorpommern stellten Thomas Böhm (Geschäftsführer TV:SCHWERIN, Wismar TV und MV1) und Martin Neuhaus (Schauspieler und Gastronom in Schwerin) das Format „Mittendrin – Stadt, Land, Talk“ vor. In der Sendung bringen Martin Neuhaus und der Schauspieler und Moderator David Kramer Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern vor die Kamera. Neben Gesprächen mit Persönlichkeiten aus Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft und dem ganz normalen Alltag gibt es in jeder Sendung auch Live-Musik und „Stadtspiele“ aus dem Schweriner Umland. 

Welche strukturelle Unterstützung lokale und regionale Medien bei der digitalen Transformation benötigen, zeigt eine von der MA HSH beauftragte und von Dr. Christian-Mathias Wellbrock auf dem Kongress vorgestellte Studie. Als zentrale Handlungsfelder benennt sie Vernetzung, Qualifizierung, Innovationsförderung, Nachwuchssicherung, gemeinsam nutzbare Ressourcen und kooperative Medienplattformen. 
Aber: Damit aus guten Ideen dauerhaft tragfähige Angebote werden können, muss die Politik verlässliche Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Stabilisierung lokaler Medienvielfalt schaffen. Dirk Schrödter, Minister für Digitalisierung und Medienpolitik in Schleswig-Holstein, sprach sich für eine strukturelle Unterstützung lokaler und regionaler Medien aus, betonte aber auch, dass die Umsetzung unbedingt staatsfern erfolgen müsse: „Regionale Berichterstattung ist für die Medienvielfalt und damit für die freiheitlich-demokratische Grundordnung von essenzieller Bedeutung. Wenn Meinungsbildung und Meinungsvielfalt auf der Strecke bleiben, nimmt die Demokratie daran Schaden.“ Als mögliche politische Antwort verwies Schrödter auf ein in Schleswig-Holstein entwickeltes Diskussionspapier, das grundlegende Unterstützungsmaßnahmen vorsieht. Finanziert werden sollen diese durch eine Digitalabgabe. 

In der Podiumsdiskussion „Lokaljournalismus retten um jeden Preis? Erfahrungen, Chancen und Grenzen der Förderung“ standen unterschiedliche Ansätze der Förderung von lokalen und regionalen Medienangeboten im Fokus. Bert Lingnau, Direktor der Medienanstalt Mecklenburg-Vorpommern, erläuterte das Fördermodell in Mecklenburg-Vorpommern und machte deutlich, welchen Stellenwert die lokalen Fernsehveranstalter im Land haben: „Die privaten Fernsehprogramme in Mecklenburg-Vorpommern sind die Leuchttürme des lokalen und seriösen Journalismus. Deshalb unterstützen wir diese gezielt mit den Mitteln, die uns das Land zur Verfügung stellt. So ist es gelungen, einen Großteil der Programme, die seit mehr als 25 Jahren auf Sendung sind, zu erhalten.“ 

Dr. Eva Flecken, Direktorin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, zog ein positives Fazit des Tages und mahnte zugleich langfristige Perspektiven für die journalistische Arbeit vor Ort an: „Mich hat besonders beeindruckt, mit wie viel Engagement und tollen Ideen lokale Geschichten neu erzählt werden. Diese Vielfalt macht Mut. Zugleich dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, unter welchem wirtschaftlichen Druck viele Lokaljournalistinnen und Lokaljournalisten tagtäglich arbeiten. Und wie sehr sie darum kämpfen, verlässlich für die Menschen vor Ort zu berichten. Ihre Arbeit ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt unserer Demokratie. Genau deshalb ist es in diesen Zeiten so wichtig, solche Projekte zu fördern und eine Perspektive zu geben.“ 

Der seit 2023 jährlich stattfindende Lokaljournalismus-Kongress dient dem länderübergreifenden Austausch über die Zukunft lokaler und regionaler Medien. Veranstaltet wurde er in diesem Jahr von den Landesmedienanstalten aus Berlin/Brandenburg (mabb), Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH), Mecklenburg-Vorpommern (MMV), Niedersachsen (NLM), Sachsen-Anhalt (MSA) und Thüringen (TLM). 

Hier finden Sie Fotos und weitere Informationen zur Veranstaltung. Der Kongress wurde von ALEX, dem Offenen Kanal Berlin, aufgezeichnet. Die Aufzeichnung ist hier abrufbar. 

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110 Gäste aus Politik, Medien, Wissenschaft und Medienaufsicht nahmen am Lokaljournalismus-Kongress 2026 am 29. September 2026 in Berlin teil.
Sebastian Semmer
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